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Erstversorgung von neugeborenen Welpen

Die ersten Lebenstage sicher begleiten

Die Geburt von Hundewelpen ist ein besonderes Ereignis. Gleichzeitig gilt die Zeit von der Geburt bis etwa zum 21. Lebenstag als die sensibelste Phase im Leben eines Welpen. Studien zeigen, dass ein Großteil der Verluste bei Hundewelpen innerhalb der ersten 48 Stunden auftritt.

In dieser Zeit findet die sogenannte neonatale Anpassung statt – der Übergang vom Leben im Mutterleib hin zu selbstständiger Atmung, Temperaturregulation und Nahrungsaufnahme.

Als Hundehebamme begleite ich Hündinnen und ihre Menschen in dieser intensiven Phase mit fachlicher Beobachtung, Struktur und Ruhe.

 

Neonatale Phase beim Hund – warum sie so entscheidend ist

Die Überlebensfähigkeit neugeborener Welpen wird maßgeblich beeinflusst durch:

  • die Reife und Entwicklung der Welpen zum Geburtszeitpunkt
  • den Verlauf der Geburt
  • den Gesundheitszustand der Mutterhündin
  • Umwelt- und Haltungsbedingungen in den ersten Lebenstagen

Besonders das Geburtsgewicht, die Vitalität nach der Geburt und eine stabile Versorgung in den ersten Stunden sind entscheidend für einen guten Start ins Leben.

 

Einfluss der Wurfgröße auf die Welpenentwicklung

Die Anzahl der Welpen im Mutterleib hat großen Einfluss auf deren Entwicklung:

  • Große Würfe können zu niedrigem Geburtsgewicht führen
  • Sehr kleine Würfe oder Einzelwelpen neigen teils zu überdurchschnittlichem Wachstum

Beides kann sowohl den Geburtsverlauf als auch die Anpassungsfähigkeit der Welpen beeinflussen. In solchen Fällen ist eine enge Beobachtung besonders wichtig.

 

Mögliche Risiken für neugeborene Welpen

 
Sauerstoffmangel nach der Geburt (Hypoxie)

Während der Trächtigkeit erfolgt die Sauerstoffversorgung über die Plazenta und die Nabelschnur. Mit der Geburt ändert sich diese Versorgung abrupt. Ein leichter Sauerstoffmangel ist zunächst normal und wichtig für den Start der Atmung.

Problematisch wird es bei:

  • langen oder schwierigen Geburten
  • verzögertem Geburtsverlauf
  • frühzeitiger Ablösung der Plazenta
  • unreifer Lungenentwicklung

Dann kann es zu Atemproblemen oder Kreislaufschwäche kommen, die beobachtet und gegebenenfalls tierärztlich abgeklärt werden müssen.

 

Temperaturmanagement bei Welpen – Unterkühlung/ zu viel Wärme

Welpen können ihre Körpertemperatur in den ersten Lebenswochen noch nicht selbst regulieren. Direkt nach der Geburt sinkt die Körpertemperatur zunächst ab – ein normaler, kurzfristiger Prozess.

Risiken entstehen durch:

  • zu kalte Umgebung
  • feuchte oder nasse Welpen
  • fehlende Wärmequellen
  • aber auch durch zu hohe Umgebungstemperaturen

Eine angepasste, konstante Wärme ist für die Erstversorgung von Welpen essenziell.

 

Bedeutung der Kolostrumaufnahme

Welpen werden nahezu ohne eigene Immunabwehr geboren. Der entscheidende Schutz erfolgt über die Aufnahme von Kolostrum (Biestmilch) in den ersten Lebensstunden.

Wichtig dabei:

  • möglichst frühes Anlegen an die Mutter
  • ausreichende Trinkaktivität
  • guter Gesundheits- und Impfstatus der Mutterhündin

Die Fähigkeit des Welpen, Antikörper über den Darm aufzunehmen, nimmt bereits wenige Stunden nach der Geburt deutlich ab.

 

Energieversorgung in den ersten Lebenstagen

Neugeborene Welpen haben einen hohen Energiebedarf, können jedoch Energiereserven noch nicht selbstständig bereitstellen. Ein zu großer Gewichtsverlust oder sehr niedriges Geburtsgewicht erfordern erhöhte Aufmerksamkeit.

Grundsätzlich gilt:

  • unterkühlte Welpen dürfen nicht trinken
  • zuerst Wärme stabilisieren
  • Entwicklung eng beobachten
  • bei Unsicherheit frühzeitig tierärztlichen Rat einholen

 

Harn- und Kotabsatz bei Welpen

In den ersten ca. zwei Lebenswochen sind Welpen auf die Stimulation durch die Mutterhündin angewiesen, um Kot und Urin abzusetzen. Bleibt diese Stimulation aus, können Verdauungsprobleme entstehen, die beobachtet werden müssen.

 

 

 

Erstversorgung direkt nach der Geburt

Die meisten Hündinnen übernehmen die Versorgung ihrer Welpen instinktiv selbst. In manchen Situationen kann jedoch eine ruhige, unterstützende Begleitung sinnvoll sein.

Dazu zählen:

  • Befreiung der Welpen aus den Fruchthüllen
  • Sicherstellen freier Atemwege
  • vorsichtiges Abtrocknen
  • warmes, störungsfreies Umfeld
  • zeitnahes Anlegen an die Mutter

Neugeborene Welpen sollten außerdem zeitnah äußerlich begutachtet werden, um offensichtliche Auffälligkeiten früh zu erkennen.

Bei Geburtsproblemen oder Unsicherheit sollte immer ein Tierarzt hinzugezogen werden.

 

Gewichtsentwicklung und Beobachtung in den ersten Tagen

Die ersten Tage stellen hohe Anforderungen an Hündin, Welpen und Halter:innen. Regelmäßige Gewichtskontrollen sind eine wichtige Unterstützung, um Veränderungen früh zu erkennen.

Empfehlung:

  • 1–2 Gewichtskontrollen täglich
  • möglichst zur gleichen Uhrzeit
  • Gewichte dokumentieren

Welpen sollten nach einem kurzen Anfangsgewichtsverlust kontinuierlich zunehmen und ihr Geburtsgewicht innerhalb von etwa 10–14 Tagen verdoppeln.